
ESPACE LOUIS VUITTON



Sugar Muscles – LV Edition; 2024, Performance Dokumentation Espace Louis Vuitton, München Fotos: Ava Ella Kalff
SPACE ROSA STERN

Behind the Muscles; 2022, Videostill, HD Video, 21:50 min
VILLA STUCK

Behind the Muscles; 2022, Videoinstallation, zwei Projektionen mit dem Interview Behind the Muscles und der Dokumentation der Performance Sugar Muscles, zwei Sportbänke, Akkustikschaum, Debütant*innen 2022, Villa Stuck
PLATFORM

Behind the Muscles; 2022, Videoinstallation, zwei Screens mit dem Interview Behind the Muscles und der Dokumentation der Performance Sugar Muscles, lackierte Langhanteln
und Kurzhanteln, Gewichtsscheiben und Sportmatten, Perspektiven 2023, Förderpreis für junge Kunst des Kunstclub13 e.V. in Kooperation mit der PLATFORM
KAMMERSPIELE X DER GREIF


Münchner Kammerspiele X Der Greif “Auf nach Woanders/Off to elsewhere” Exhibition with Various Others
DIPLOM – AKADEMIE DER BILDENDEN KÜNSTE MÜNCHEN

Sugar Muscles; 2022, Ausstellungsansicht, Digitaldruck auf lebensgroßen Alu Dibond Aufstellern, Holzpodeste Ø 80cm, 4K-Video-Projektion, Loop,
Acryldrucke DIN A4 und DIN A3, Zuckerguss, Lack-Bodenbelag, Kolosssaal AdBK, München Foto: Sara Chaparro



Sugar Muscles; 2022, Performance Dokumentation, Kolosssaal, AdBK München, Fotos: Ava Ella Kalff
Sugar Power von Alina Hofmaier
Der Körper des Menschen ist seit jeher ein zentrales Thema der Bildenden Kunst. Vom antiken Ideal des Diskobolos über die Entdeckung der Renaissance vom Menschen und dessen Körper als Mittelpunkt künstlerischen Schaffens bis hin zu der physiologischen und psychologischen Zersplitterung des menschlichen Leibes im 20. Jahrhundert: das Sujet hat an seiner Aktualität in Gesellschaft und Kunst sogar noch an Bedeutung gewonnen. Kunst- und kulturgeschichtlich gesehen wurde es über eine viel zu lange Zeitspanne bestimmt vom westlichen, weißen Mann und dessen „male gaze“. Heute kommen erfreulicherweise weitere wichtige Perspektiven von weiblich gelesenen Personen, LGBTQIA+ sowie anderen Ethnien hinzu. Ebenso werden andere Körperbilder fokussiert, die nicht nur einem weißen, schlanken und jungen Menschen entsprechen.
Julia Walks Arbeiten handeln vom weniger konventionellen Körper, ja sie spielen mit ihm. Ausgehend von ihrem eigenen Körper und ihren „rolls“ (so die Bezeichnung der Künstlerin für ihre Fettfalten) begann sie vor ein paar Jahren diesen mit Zuckerguss zu überziehen und fotografieren zu lassen. Danach entfremdete sie die entstandenen Bilder so, dass man nur die nicht mehr zu lokalisierenden Körperfalten ausmachen konnte, die partiell mit dem bunten Zuckerguss überzogen worden waren. Der Zucker dient der Künstlerin dabei als Hervorhebung ihres Körpers, dessen poppige Farbigkeit den Blick auf ihre Fettfalten lenkt. Bereits diese Arbeit offenbart eine feministische Einfärbung: es geht um das Empowerment von dicken, weiblichen Körpern und Body Positivity.
Mit der darauffolgenden Arbeit “Sugar Bois” wechselt sie zum ersten Mal die Rolle vom Modell zur Akteurin und baut ihre “Sugar Works” zur Serie aus. In dieser Performance werden junge Männer in einem Schaufenster von der Künstlerin zur eigens kuratierten Good-Vibes-Playlist mit Zuckermasse überzogen.
In ihrer aktuellen Arbeit “Sugar Muscles” konzentriert sich ihr Blick auf Männer der Bodybuilder-Szene.
Dabei bedient sie sich an einem Körperbild, welches das antike, männliche Schönheitsideal auf die Spitze zu treiben scheint
Hier interessiert die Künstlerin, ob es statt dem „male gaze“ auch einen „female gaze“ gibt. Dieser funktioniert bei der Arbeit „Sugar Bois“, bekommt jedoch mit der Arbeit „Sugar Muscles“ einen komplexeren Anstrich. Der Körper eines Bodybuilders bedarf harter Arbeit, ein männliches Klischee also. Doch um die Muskeln bei einem Wettkampf ledrig hervortreten lassen zu können, müssen Bodybuilder sich selbst dehydrieren, was mitunter zu Schwächeanfällen führen kann. Und auch die knappen Höschen sind weit von unserem heterosexuellen Männlichkeits-Diskurs entfernt. Dass die Bodybuilder während der Vorbereitung auf einen Wettkampf keinen Zucker zu sich zu nehmen, ist ebenfalls ein gewolltes Paradoxon der Künstlerin.
Außerdem ist ein wichtiger Bestandteil ihrer Praxis der sensible Umgang sowie die enge Zusammenarbeit mit den Bodybuildern, da sich diese selbst auch als Bildhauer begreifen.
In ihrem Zuckerguss-Werk setzt sie dabei nicht auf die postkoloniale Bedeutung des Zuckers, sondern auf dessen Klischees: Er ist ungesund, bringt aber auch Spaß und Power. Mit letzteren Zwei verbindet sie auch den Zuckerguss auf den Körpern ihrer Modelle. So vermengt sie Elemente abstrakter Malerei mit Skulpturalem, indem sie verschieden farbige Zuckerpasten, meist in einer Performance, an ihnen herunter rinnen lässt. Hier schwingt sie die Schöpfkelle, die als Pinsel fungiert, selbst und bestimmt damit den Duktus und die Farbigkeit. Die gewählten Farben sind so knallig und bunt wie der Inhalt einer Packung Smarties, verhalten sich auf den Körpern zäh wie ein Sirup, fließen an ihnen herab und bilden Lachen auf den Podesten, die als Überreste der Performance bestehen bleiben. Doch als Performerin ist sie nicht nur Malerin; sie nimmt sich auch wie eine Choreografin den Körpern anderer an, um so einen Perspektivwechsel zu schaffen und bestehende Körperbilder zu hinterfragen. Dabei darf der Fun auf keinen Fall fehlen: ihr künstlerischer Ansatz ist immer von einer humorvollen Auseinandersetzung geprägt, welchen sie mit einer poppigen Ästhetik unterstreicht, was der Ernsthaftigkeit ihrer Thematik eine gewisse Leichtigkeit verleiht.
ÖSTERREICHISCHER SKULPTURENPARK

Sugar Muscles – Graz Edition; 2022, Performance Dokumentation, Graz, Foto: Tornike Abuladze


Sticker Automat; 2022, Metall lackiert – gefüllt mit verschiedenen Stickern mit QR-Code um eine VR Arbeit abzurufen, 55,5cm x 77,5cm x 22cm, Österreichischer Skulpturenpark, Graz Foto: Lu Cheng



Sugar Muscles; 2022, Performance Dokumentation, Kolosssaal, AdBK München, Foto: Vincent Entekabi
SUGAR MUSCLES
















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