Glas

SLAY GIRL

Slay Girl, 2025, Glaspaneele 55 × 62 cm, Glas, Kupferband, bleifreies Lot; Holzrahmen 135 × 225 cm, Fichtenholz, lackiert, LED’s, Zimmerfrei, Hotel Mariandl, München

Mit der Arbeit Slay Girl überträgt Julia Walk eine der bekanntesten Szenen der Kunstgeschichte – Judith enthauptet Holofernes – in ein neues Medium und eine zeitgemäße Bildsprache. Es ist ihre erste Arbeit aus Glas – ein neues Material in ihrer Praxis, mit dem sie Farbe, Licht und handwerkliches Arbeiten verbindet. Die in Tiffany-Technik handgefertigten, farbintensiven Glaspaneele kleiden das Fenster des Hotelzimmers im Mariandl wie ein sakrales Leuchtbild aus.

Die Figur der Judith, Symbol weiblicher Selbstermächtigung und Wut, wird hier in ein Spannungsfeld
von Popästhetik, Gewalt und Fragilität übersetzt. Wo historische Darstellungen
Pathos und Dramatik inszenieren, begegnen die Betrachter*innen einer leuchtend-poppigen
Farbigkeit, die das brutale Sujet zugleich überhöht, ironisch bricht und entwaffnend
schön macht.

Der Titel Slay Girl spielt bewusst mit Mehrdeutigkeit: Das englische „to slay“ bedeutet „töten“ – verweist also direkt auf die Enthauptung – und ist gleichzeitig ein Ausdruck aus der Popkultur für Triumph, Selbstbewusstsein und Performance („you slay“). So verbindet Walk kunsthistorische Ikonografie mit feministischer Gegenwartsästhetik.

Inhaltlich schließt Slay Girl an Walks laufende Auseinandersetzung mit dem Thema female rage an – weiblicher Wut als schöpferischer, transformierender Kraft. Ausgangspunkt war ein Deckengemälde der Kirche St. Ulrich in Seeg im Allgäu, das sie schon als Kind faszinierte: die kraftvolle, pastell-pudrige Darstellung der grausamen Szene und die Inszenierung
der Frauenfigur als machtvolle, weibliche Heldin.

Die Paneele sind auf einen Fichtenholzrahmen montiert, der aus dem Wald der Familie stammt und von Julias Bruder, dem Handwerksmeister Maximilian Walk, gefertigt wurde. So verbinden sich in der Arbeit Handwerk, Herkunft und künstlerische Vision – als leuchtendes Sinnbild weiblicher Stärke, Schönheit und Selbstermächtigung.

Fotos: Ludwig Dressler, @tamirvisuals